SCHROFFENSTEIN

// Kleist goes east: Schroffenstein - Lebendige Grenze | Text

Heinrich von Kleist selten gespieltes Drama "Die Familie Schroffenstein" soll inhaltlicher Ausgangspunkt des Projektes sein. Sein Text beschreibt eine Welt im Wandel, die von der Macht des Geldes, von der Macht des Besitzes bestimmt wird. Alte Gepflogenheiten erweisen sich als untauglich und werden in der neuen Welt zu Fesseln. Hass und Misstrauen stehen jeder Form der Kommunikation, auch der intimsten, entgegen. Diese Grundmuster des Kleistschen Dramas lassen sehr direkt auf die Transformationsprozesse im postsozialistischen Europa projizieren.

// Inhaltsüberblick

Die Familie Schroffenstein / Trauerspiel von Heinrich von Kleist

Das Drama handelt vom Machtkampf zweier verfeindeter Linien der Familie Schroffenstein. Die eine herrscht in Rossitz unter Graf Rupert, die andere in Warwand unter Graf Sylvester. Ein Erbvertrag besagt, dass beim Aussterben einer Linie alles Land an die andere fällt. Seit dem Vertrag gibt es in beiden Familien ein stetes und tiefes Misstrauen. Jeder Verkehr ist unterbrochen, nur Jeronimus, mit beiden Kontrahenten verwandt aber ohne in dem Konflikt Partei ergreifend, pendelt zwischen beiden Häusern hin und her.

Das Drama beginnt mit einer Heiligen Messe in der Schlosskapelle der Grafschaft Rossitz, die in hasserfüllten Verwünschungen und Racheschwüren mündet, denn Ruperts jüngster Sohn Peter ist vor neun Jahren umgekommen. Man hat seine Leiche gefunden im Wald. Die Mörder sind gerichtet worden und der eine gestand auf der Folter, dass er im Auftrage von Sylvester, des Herren von Warwand gehandelt habe. Jetzt ist die Stunde der Vergeltung gekommen: Rupert und sein Sohn Ottokar rüsten sich zum Vernichtungsfeldzug gegen Sylvester.

Der gutmütige Sylvester ist nach Ruperts Überzeugung ein Mörder und Heuchler. Aber zwischen Agnes (Sylvesters Tochter) und Ottokar (Ruperts Sohn) entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Das Paar begegnet sich zuerst ohne zu wissen, wer sie sind und was sie trennt. Aber auch der liebestolle Johann, ein Halbbruder von Ottokar, begehrt und bedrängt Agnes. Jeronimus rettet Agnes aus den Händen Johanns und verletzt ihn.

Dennoch bekennen sich Agnes von Warwand und Ottokar von Rossitz zueinander im vollen Wissen über ihre Situation.

Jeronimus muss seine Tat büßen, Rupert lässt ihn kaltblütig lynchen. und dann zieht er aus, um Agnes zu töten. Doch das Liebespaar hat die Kleidung gewechselt und so geschieht es: Ottokar als Agnes verkleidet, wird von seinem Vater Rupert getötet und Agnes als Ottokar verkleidet, wird von ihrem Vater Sylvester getötet. Der blinde alte Sylvius, Agnes Großvater, entdeckt den tragischen Irrtum. Der Blinde sieht, die Sehenden haben nichts bemerkt. Sie haben sich selbst betrogen. Sie haben sich schrecklich geirrt - in allem, wird doch bekannt, dass der Mord an dem Kind Peter vor neun Jahren ein Unfall war.