
L'actualité
Am 03. November 2006 fand in Minsk eine eintägige Einführungsveranstaltung für das Projekt "Frontière vivante - Schroffenstein" statt. Neben den beiden künstlerischen Leitern des Projektes, dem Regisseur David Mouchtar-Samorai und Prof. Thomas Wieck von der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin waren ebenfalls Claudia von Selle, Wolfgang Häntsch, Aliaksandr Lahutsenak, Ulrich Kuhlmann und Ingolf Müller nach Minsk gereist. Partner vor Ort war die "Universität der Kultur und Künste" in Minsk, die dankenswerterweise mehrere Räume zur Verfügung gestellt hat. An den einzelnen Veranstaltungsblöcken haben ca. 150 junge Theaterleute teilgenommen. Die Teilnehmer stammten im Wesentlichen aus Belarus, aus Kiew war Sergej Proskurnja, der Leiter des Beresillja-Festivals, mit einer Gruppe von zehn ukrainischen Studenten angereist.Die Meisterklasse war in drei große Blöcke gegliedert. Zunächst gab Prof. Thomas Wieck einen Einführungsvortrag zu Wirken und Werk Heinrich von Kleists und zum Stück. Er spannte einen großen Bogen von der französischen Revolution zur heutigen Situation in Mittel- und Osteuropa nach dem Zusammenbruch des Kommunismus. Ausgehend von Jean Jacques Rousseau brachte er den Anwesenden die Modernität des Dichters Heinrich von Kleist vor einem europäischen Hintergrund näher und orientierte sie über wesentliche inhaltliche Fragen des "Schroffenstein" - Stückes. Bezugnehmend auf Kleist und sein "Schreiben, das immer ein Kampf war" warnte er vor schnellen, äußerlichen Interpretationen und ermunterte nachdrücklich, sich dem Text über die konkrete politische und private Situation zu nähern und ihn nur aus diesem Blickwinkel zu interpretieren.
David Mouchtar-Samorai, Prof. Thomas Wieck und Ulrich Kuhlmann arbeiteten in einem zweiten Block weiter mit kleineren Gruppen von Studenten, die sicher näher mit künstlerischen Fragen auseinandersetzen wollten - Wolfgang Häntsch, Ingolf Müller und Aliaksandr Lahutsenak standen parallel dazu für die Klärung grundsätzlicher Dinge und organisatorischer Probleme zur Verfügung.
Die weißrussische Regiestudenten Tatsiana Navumava hatte sich bereits vorher mit Kleist Stück "Die Familie Schroffenstein" auseinander gesetzt und stellte am späten Nachmittag auf einer der Probebühnen der Universität eine szenische Studie vor, welche die erste und einzige Szene aus dem fünften Akt des Stückes sehr spielerisch umsetzte. Zusammen mit der belarussischen Band "Nagual" gelang ihr ohne Worte eine sinnliche und musikalische Annäherung an das Stück und damit ein angemessener Abschluss der Meisterklasse.
David Mouchtar-Samorai äußerte sich im Nachhinein begeistert vom Enthusiasmus und Gestaltungswillen der jungen Leute. Prof. Wieck sah die Notwendigkeit bestätigt, stärker über Kleist und sein Werk zu informieren und auf den spezifischen Ideengehalt des "Schroffenstein" - Textes hinzuweisen. Auch Ulrich Kuhlmann zeigte sich beeindruckt vom Interesse, auf welches das Projekt in Minsk inzwischen trifft. Mehrere regionale Medien haben im Zusammenhang mit der Einführungsveranstaltung über "Frontière vivante - Schroffenstein" berichtet, neben einigen Zeitungen auch das Staatliche Belorussische Fernsehen und der örtliche Dienst der Deutschen Welle.
Am Abend hat der Deutsche Botschafter in Belarus in seiner Residenz in Minsk einen Empfang für die Besucher aus Deutschland und einheimische Vertreter von Kunst, Kultur, Medien und Politik gegeben. In seinen Grußworten betonte Botschafter Dr. Martin Hecker die besondere Rolle der Kultur in der Außenpolitik. Er wies darauf hin, dass die große räumliche Distanz, die zwischen Minsk und Berlin empfunden wird, tatsächlich gar nicht existiert, da die Schweiz von Berlin weiter entfernt liegt als Weißrussland. Dank der Gastfreundschaft des Botschafters und seiner Frau fand der Tag in Minsk einen stimmungsvollen und inspirierenden Abschluss.
Allen, die zum Erfolg beigetragen haben - ob in Minsk, Kiew oder Berlin - sei herzlich gedankt. Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle für die zahlreichen Übersetzungen an Frau Karelina und Aliaksandr Lahutsenak, an die Rektorin, Frau Jadviga Grigorovitsch, Andrej Karelin und Sinaida Pasjutina für die Vorbereitung und freundliche Aufnahme an der Universität, sowie an Herrn Nielsen und die Mitarbeiter der deutschen Botschaft für die organisatorische und finanzielle Unterstützung.





